Eine Os-sesamoideum-Fraktur beim Hund bezeichnet den Bruch eines oder mehrerer Sesambeine, kleiner in Sehnen eingelagerter Knochen, die meist an den Zehen (Phalangen) lokalisiert sind. Besonders häufig betroffen sind die palmaren Sesambeine der Vordergliedmaßen, vor allem Sesambein Nummer 2 und 7. Die Fraktur kann zu chronischer Lahmheit und Belastungsschmerz führen.
Die Sesambeine (Ossa sesamoidea) sind kleine, rundliche Knochen, die in Sehnen eingebettet sind und als biomechanische Umlenkpunkte dienen. Beim Hund befinden sich an jeder Pfote acht palmare bzw. plantare Sesambeine an den Metakarpophalangeal- bzw. Metatarsophalangealgelenken sowie ein dorsales Sesambein. Sie reduzieren die Reibung der Beugesehnen und verbessern die Hebelwirkung beim Bewegungsablauf.
Anatomische Besonderheiten beim Hund
Bei bestimmten Rassen, insbesondere Rottweilern, Deutschen Schäferhunden und anderen großen, aktiven Rassen, treten Sesambeinerkrankungen gehäuft auf. Besonders die Sesambeine Nr. 2 (medial am 2. Zeh) und Nr. 7 (lateral am 5. Zeh) der Vordergliedmaßen sind prädisponiert. Es ist klinisch oft schwierig, eine echte Fraktur von einem zweigeteilten Sesambein (Os sesamoideum bipartitum), einer angeborenen Variante, abzugrenzen.
Ursachen
- Akutes Trauma durch Sprünge, abruptes Abbremsen oder Verdrehen der Pfote
- Chronische Überlastung bei Sport- und Arbeitshunden (Agility, Schutzdienst)
- Stressfrakturen durch repetitive Belastung
- Vorbestehende Sesamoiditis (Entzündung mit Knochenumbau)
Orthopädische Relevanz
Eine Sesambeinfraktur führt zu Instabilität im Bereich des Zehengrundgelenks und beeinträchtigt die Funktion der oberflächlichen und tiefen Beugesehne. Unbehandelt kann sich eine chronische Lahmheit mit sekundären Arthrosen entwickeln. Die Diagnose erfolgt durch Röntgen, ggf. ergänzt durch CT oder MRT. Therapeutisch reicht das Spektrum von konservativer Ruhigstellung über orthopädische Hilfsmittel bis hin zur chirurgischen Entfernung des frakturierten Sesambeins (Sesamoidektomie).
Einsatz orthopädischer Hilfsmittel
Eine maßgefertigte Pfotenorthese oder Karpalorthese mit Pfoteneinschluss kann die betroffene Zehe entlasten, die Beugesehnen ruhigstellen und die Heilung unterstützen. Auch postoperativ ist eine Bandagierung sinnvoll, um Belastung zu reduzieren und Rezidive zu vermeiden.
Mögliche Symptome
- Lahmheit der betroffenen Gliedmaße, oft schleichend beginnend
- Schmerz bei Druck auf das Zehengrundgelenk
- Schonhaltung und vermindertes Auftreten der Pfote
- Schwellung oder Wärme im Bereich der Zehe
- Verschlechterung der Lahmheit nach Belastung
- Reduzierte Leistungsfähigkeit bei Sporthunden
Orthopädische Indikationen
- Pfotenorthese zur Entlastung der betroffenen Zehe
- Karpalorthese mit Pfoteneinschluss zur Ruhigstellung
- Stützbandage zur konservativen Therapie kleinerer Frakturen
- Postoperative Schutzorthese nach Sesamoidektomie
- Entlastungshilfe bei chronischer Sesamoiditis mit Fraktur
- Stabilisierung bei rezidivierender Belastungslahmheit
Häufige Fragen
Wie wird eine Sesambeinfraktur beim Hund diagnostiziert?
Die Diagnose erfolgt durch den Tierarzt mittels Lahmheitsuntersuchung, Palpation und Röntgenaufnahmen der Pfote in mehreren Ebenen. In unklaren Fällen, etwa zur Abgrenzung von einem zweigeteilten Sesambein, können CT oder MRT zusätzliche Klarheit bringen.
Welche Hunderassen sind besonders häufig betroffen?
Vor allem große, aktive Rassen wie Rottweiler, Deutsche Schäferhunde, Boxer und Greyhounds zeigen eine erhöhte Anfälligkeit. Auch sportlich geführte Hunde im Agility, Flyball oder Schutzdienst sind häufiger betroffen.
Kann eine Pfotenorthese die Heilung unterstützen?
Ja, eine individuell angepasste Orthese kann die betroffene Zehe entlasten, die Beugesehnen ruhigstellen und so die Heilung fördern. Die Entscheidung über die geeignete Therapie sollte immer in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt erfolgen.
Wie lange dauert die Heilung einer Sesambeinfraktur?
Die Heilungsdauer variiert je nach Schweregrad und Therapie. Konservative Behandlungen erfordern meist 6 bis 12 Wochen Schonung, postoperative Verläufe können ähnlich lange dauern. Eine begleitende Physiotherapie ist häufig sinnvoll.