Griffelbeinexostose (Pferd)

Eine Griffelbeinexostose ist eine knöcherne Zubildung (Exostose) am Griffelbein des Pferdes, den beiden schlanken Knochen (Ossa metacarpalia/metatarsalia II und IV) neben dem Röhrbein. Sie entsteht meist als Reaktion auf Reizungen, Traumata oder Frakturen und wird umgangssprachlich auch als 'Überbein' bezeichnet.

Eine Griffelbeinexostose ist eine knöcherne Zubildung (Exostose) am Griffelbein des Pferdes, den beiden schlanken Knochen (Ossa metacarpalia/metatarsalia II und IV) neben dem Röhrbein. Sie entsteht meist als Reaktion auf Reizungen, Traumata oder Frakturen und wird umgangssprachlich auch als 'Überbein' bezeichnet.

Die Griffelbeinexostose ist eine der häufigsten knöchernen Zubildungen am Pferdebein. Griffelbeine sind evolutionäre Überreste ehemaliger Zehenstrahlen und liegen als schmale, längliche Knochen jeweils medial und lateral am Röhrbein an. Sie sind mit dem Röhrbein durch das straffe Ligamentum interosseum verbunden. Kommt es zu Reizungen dieses Bandes oder zu direkten Traumata am Griffelbein selbst, reagiert der Knochen mit vermehrter Knochenneubildung – es entsteht eine Exostose.

Anatomische Grundlagen

Jedes Pferd besitzt vier Griffelbeine – zwei an jedem Bein, jeweils innen und außen am Röhrbein gelegen. Besonders häufig sind die inneren Griffelbeine (Metacarpale II) an den Vorderbeinen betroffen, da sie mehr Last tragen als die äußeren. Die Exostose kann als tastbare, feste Verdickung sichtbar und palpierbar sein.

Ursachen

  • Direkte Traumata durch Schlag, Tritt oder Anstoßen
  • Wiederholte Mikroverletzungen durch harte Böden oder intensive Belastung
  • Fehlbelastung durch Stellungsfehler (z. B. bodenweite oder bodenenge Stellung)
  • Frakturen des Griffelbeins
  • Reizungen des Zwischenknochenbands (Interosseum-Desmopathie)
  • Junge Pferde in Ausbildung mit noch unvollständig verknöcherten Griffelbeinen

Orthopädische Relevanz

Eine frische Griffelbeinexostose kann mit Entzündung, Wärme, Schwellung und Lahmheit einhergehen. Ist der Prozess abgeschlossen und die Zubildung ‚kalt‘, verursacht sie oft keine Lahmheit mehr, kann aber je nach Lage mechanisch stören – etwa wenn sie in unmittelbarer Nähe zur tiefen Beugesehne oder zum Fesselträger liegt und dort dauerhaft reizt.

Diagnostik und Behandlung

Die Diagnose erfolgt tierärztlich durch Palpation, Röntgen und ggf. Ultraschall zur Beurteilung der Weichteilstrukturen. Die Therapie richtet sich nach Akutstadium und Ursache. Bei chronischen Fällen mit Fehlbelastung als Auslöser kann ein orthopädischer Beschlag oder eine unterstützende Bandage/Gamasche sinnvoll sein, um das Bein zu entlasten und weitere Reize zu vermeiden. Die Entscheidung über die passende Therapie trifft der Tierarzt.

Mögliche Symptome

  • Tastbare, harte Verdickung am Griffelbein
  • Wärme und Schwellung im Akutstadium
  • Druckempfindlichkeit
  • Lahmheit unterschiedlichen Grades
  • Sichtbare Umfangsvermehrung am Röhrbein
  • Reibende oder mechanische Beeinträchtigung benachbarter Sehnen

Orthopädische Indikationen

  • Schutzgamaschen zur Vermeidung erneuter Traumata
  • Stützbandagen zur Entlastung bei chronischer Reizung
  • Individuelle orthopädische Hilfsmittel bei Fehlstellungen
  • Postoperative Stabilisierung nach Griffelbeinresektion
  • Schutzhilfen für junge Pferde in der Ausbildung

Häufige Fragen

Muss eine Griffelbeinexostose immer behandelt werden?

Nicht zwingend. Eine 'kalte', abgeschlossene Exostose ohne Lahmheit erfordert oft keine aktive Therapie. Verursacht sie jedoch Schmerzen, Lahmheit oder reizt benachbarte Sehnen, sollte tierärztlich abgeklärt werden, welche Behandlung sinnvoll ist.

Kann ein Pferd mit Griffelbeinexostose weiter geritten werden?

In vielen Fällen ja, sobald die akute Entzündungsphase abgeklungen ist und keine Lahmheit mehr besteht. Die Entscheidung sollte immer nach tierärztlicher Untersuchung erfolgen. Schutzgamaschen können helfen, weitere Reize zu vermeiden.

Wie kann man Griffelbeinexostosen vorbeugen?

Wichtig sind ein gut angepasster Beschlag, geeigneter Boden im Training, angepasste Belastung – besonders bei jungen Pferden – sowie Schutzgamaschen bei Arbeit oder Weidegang, um Tritt- und Schlagverletzungen zu vermeiden.

Ist eine Griffelbeinexostose dasselbe wie ein Überbein?

Umgangssprachlich werden beide Begriffe oft synonym verwendet. 'Überbein' ist der volkstümliche Ausdruck für eine sichtbare, tastbare Knochenzubildung am Griffelbein – medizinisch spricht man von einer Exostose.

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