Sehnenspalt (Pferd)

Ein Sehnenspalt (Core Lesion) ist eine strukturelle Schädigung im Inneren einer Sehne, bei der Sehnenfasern zerreißen und ein flüssigkeitsgefüllter Hohlraum entsteht. Beim Pferd tritt er am häufigsten in der oberflächlichen Beugesehne der Vordergliedmaße auf und zählt zu den klassischen Sportverletzungen. Er ist im Ultraschall als echoarmer Bereich innerhalb der Sehne sichtbar.

Ein Sehnenspalt (Core Lesion) ist eine strukturelle Schädigung im Inneren einer Sehne, bei der Sehnenfasern zerreißen und ein flüssigkeitsgefüllter Hohlraum entsteht. Beim Pferd tritt er am häufigsten in der oberflächlichen Beugesehne der Vordergliedmaße auf und zählt zu den klassischen Sportverletzungen. Er ist im Ultraschall als echoarmer Bereich innerhalb der Sehne sichtbar.

Der Sehnenspalt beschreibt eine Ruptur von Kollagenfasern im Inneren einer Sehne, wobei Blut, Serum und Zelltrümmer eine zentrale Läsion bilden. Beim Pferd ist besonders die oberflächliche Beugesehne (Musculus flexor digitorum superficialis) im mittleren Fesselbereich der Vordergliedmaße betroffen, seltener auch die tiefe Beugesehne oder der Fesselträger. Die Verletzung entsteht meist durch eine Kombination aus mechanischer Überlastung und degenerativen Vorschädigungen der Sehnenfasern.

Anatomischer Hintergrund

Sehnen bestehen aus parallel angeordneten Kollagenfaserbündeln, die enorme Zugkräfte übertragen. Beim galoppierenden oder springenden Pferd wirken auf die Beugesehnen Kräfte, die nahe an der biologischen Belastungsgrenze liegen. Mikrotraumata und Alterungsprozesse führen zu einer schleichenden Schwächung des Fasergefüges, bevor es zur akuten Ruptur kommt.

Typische Ursachen

  • Überlastung im Renn-, Spring- oder Vielseitigkeitssport
  • Ermüdung durch tiefen oder unebenen Boden
  • Fehlstellungen der Gliedmaße (z. B. lange, weiche Fesseln)
  • Unzureichendes Aufwärmen oder mangelnde Kondition
  • Vorbestehende degenerative Sehnenveränderungen (Tendinose)

Diagnose und orthopädische Relevanz

Die Diagnose erfolgt durch klinische Untersuchung (Wärme, Schwellung, Schmerz auf Druck, ggf. Lahmheit) und wird durch Ultraschall bestätigt, der Größe, Lage und Ausdehnung des Spalts darstellt. Die Heilung einer Beugesehne dauert beim Pferd typischerweise 8 bis 12 Monate, da Sehnengewebe nur langsam und narbig regeneriert. Das Reißfestigkeitsniveau der ursprünglichen Sehne wird meist nicht mehr vollständig erreicht, weshalb Rezidive häufig sind.

Bedeutung für die orthopädische Versorgung

Während der Rehabilitation ist eine kontrollierte, stufenweise Belastung entscheidend. Stützende Bandagen und speziell angepasste Orthesen können die Sehne in der Heilungsphase entlasten, Überstreckung verhindern und eine physiologische Faserausrichtung fördern. Die Wahl des Hilfsmittels erfolgt individuell in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt und ggf. dem Physiotherapeuten.

Mögliche Symptome

  • Warme, geschwollene Sehne im Fesselbereich
  • Druckschmerzhaftigkeit an der Sehne
  • Bogenförmige Auftreibung ('Bow-Leg'-Erscheinung)
  • Lahmheit unterschiedlichen Grades
  • Verminderte Belastungsbereitschaft
  • Steifer Gang nach Belastung

Orthopädische Indikationen

  • Entlastung der Beugesehnen während der Rehabilitation
  • Stabilisierung des Fesselgelenks bei Sehnenschäden
  • Schutz vor Überstreckung nach Sehnenverletzung
  • Unterstützung beim kontrollierten Bewegungsaufbau
  • Prophylaktische Versorgung bei vorbelasteten Sehnen

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Heilung eines Sehnenspalts beim Pferd?

Die vollständige Heilung dauert in der Regel 8 bis 12 Monate. Sehnengewebe regeneriert sich sehr langsam, und ein zu früher Trainingsbeginn erhöht das Risiko eines erneuten Risses. Der genaue Verlauf wird durch regelmäßige Ultraschallkontrollen beim Tierarzt überwacht.

Kann ein Pferd nach einem Sehnenspalt wieder voll belastet werden?

Viele Pferde erreichen nach vollständiger Rehabilitation wieder ein gutes Leistungsniveau. Die geheilte Sehne bleibt jedoch weniger elastisch als das Originalgewebe, weshalb das Rückfallrisiko dauerhaft erhöht ist. Ein langsamer, tierärztlich begleiteter Wiederaufbau ist entscheidend.

Wie kann eine Orthese oder Bandage bei einem Sehnenspalt helfen?

Speziell angepasste orthopädische Hilfsmittel entlasten die geschädigte Sehne, begrenzen die Überstreckung im Fesselgelenk und unterstützen einen kontrollierten Belastungsaufbau. Die Auswahl und Anpassung sollte immer in Abstimmung mit dem behandelnden Tierarzt erfolgen.

Wie lässt sich einem Sehnenspalt vorbeugen?

Wichtig sind gründliches Aufwärmen, gutes Bodenmanagement, ein an das Pferd angepasstes Training sowie regelmäßige Hufbearbeitung. Auch die Beobachtung feiner Warnsignale wie leichter Wärme oder Schwellungen an der Sehne kann helfen, größere Schäden frühzeitig zu verhindern.

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