Der Kreuzbandriss ist die häufigste Ursache für Lahmheit an der Hinterhand. In der britischen VetCompass-Auswertung von über einer halben Million Hunden lag die Häufigkeit bei 0,56 Prozent, also rund jedem 180. Hund. Nach einer Operation zeigen laut ACVS 85 bis 90 Prozent der Hunde eine deutliche Besserung.
Was im Knie passiert
Das vordere Kreuzband verläuft diagonal durch das Innere des Kniegelenks. Es verbindet Oberschenkelknochen und Schienbein und hat drei Aufgaben: Es verhindert das Vorwärtsgleiten des Schienbeins, begrenzt die Innenrotation des Gelenks und schützt den Meniskus vor übermäßiger Belastung.
Beim Menschen reißt das Kreuzband meist durch einen Unfall. Beim Hund ist es fast immer anders: Das Bandgewebe wird über Monate oder Jahre schwächer und versagt schließlich bei einer ganz normalen Bewegung. Deshalb spricht man beim Hund präziser von einer Kreuzbanderkrankung als von einem klassischen Riss.
Weil es ein schleichender Prozess und kein Unfall ist, reißt laut ACVS bei 40 bis 60 Prozent der Hunde auch das Band am anderen Knie, meist innerhalb von 12 bis 18 Monaten nach der Diagnose. Das gesunde Bein trägt zusätzlich die Mehrbelastung.
Woran ihr es erkennt
- Plötzliche Lahmheit. Der Hund hält ein Hinterbein hoch, oft nach dem Laufen oder Springen. Typisch für den Vollabriss.
- Geschwollenes Knie. Das Gelenk ist warm, geschwollen und schmerzhaft bei Berührung.
- Morgensteifigkeit. Steif nach dem Aufstehen, läuft sich aber warm. Typisch für Teilriss oder beginnende Arthrose.
- Treppen meiden. Der Hund zögert beim Aufstehen und will nicht mehr springen.
- Muskelschwund. Nach wenigen Wochen wird der Oberschenkel des betroffenen Beins sichtbar dünner.
- Hasengang. Der Hund hoppelt mit beiden Hinterbeinen gleichzeitig, oft bei beidseitigem Riss.
Bei plötzlicher Lahmheit, die sich nach 24 Stunden nicht bessert, oder wenn euer Hund das Bein gar nicht belastet. Je früher behandelt wird, desto weniger Arthrose entsteht.
Teilriss oder Vollabriss
Ein Teilriss zeigt schleichende Lahmheit, die kommt und geht. Durch Ruhe verschwinden die Symptome vorübergehend. Unbehandelt entwickelt sich ein Teilriss in den meisten Fällen zum Vollabriss.
Ein Vollabriss zeigt sich als plötzliche, starke Lahmheit. Nach einigen Tagen tritt oft eine scheinbare Besserung ein. Das Gelenk bleibt aber instabil, und die Arthrose entwickelt sich weiter.
Wie der Tierarzt es feststellt
Schubladentest
Der Tierarzt versucht, das Schienbein nach vorn zu verschieben. Bei intaktem Band geht das nicht. Bei gerissenem Band gleitet es nach vorn. Bei chronischen Rissen kann der Test durch Narbengewebe negativ ausfallen, obwohl das Band gerissen ist.
Tibiakompressionstest
Der Tierarzt beugt die Fußwurzel bei gestrecktem Knie. Bei gerissenem Band schiebt das Schienbein sicht- oder tastbar nach vorn.
Bildgebung
Röntgen zeigt Gelenkerguss, Arthrosezeichen und die Geometrie des Schienbeinplateaus; es gehört laut ACVS zur Standarddiagnostik. Eine Gelenkspiegelung wird meist nicht zur Diagnose gemacht, sondern während des Eingriffs, um den Meniskus zu beurteilen.
Der Meniskus entscheidet mit
Wie oft der Meniskus mitbetroffen ist, hängt stark davon ab, wie genau nachgesehen wird: Studien nennen 20 bis 80 Prozent, bei einer Spiegelung deutlich mehr als bei einer Eröffnung des Gelenks. Ein Klickgeräusch beim Gehen kann darauf hinweisen. Für die Therapieentscheidung ist das wichtig: Eine schwere Meniskusverletzung erfordert oft einen chirurgischen Eingriff.